Es ist Sommer in Deutschland. Für die einen ist es schon wieder viel zu warm, für andere könnte es trotz zu warmer, zu sonniger und zu trockener Monate noch viel länger so weitergehen und noch viel wärmer werden. Der Teil der Deutschen, der anfällig für Schwitzen ist und nicht zur seltenen Gattung der klimaresistenter, wärmebedürftiger Echsenwesen zählt, stellt sich somit wie jedes Jahr die Frage: Wie zum Teufel kann ich mein Leiden etwas lindern, obwohl ich Deutscher bin und mir das Wissen über grundlegende Überlebensfähigkeiten quasi nicht mit der Muttermilch mitgegeben wurde, ich stattdessen aber 3 Millionen Bauernweisheiten aus dem Mittelalter - überliefert durch meine Oma - auswändig kenne? Hilfe ist möglich!
Der beliebteste Fehler der Deutschen: Die Fenster sind zu. Die Angst vor Wärme ist ähnlich irrational wie die Angst vorm Wolf (es sterben mehr Menschen durch Haie in Urlaubsregionen) und führt dazu, dass sich die Deutschen in ihren eigenen vier Wänden umbringen. Wenn Sie im Urlaub sind, sind sie noch schlau: Es ist eine trockene Wärme, sehr angenehm. Es wird am Strand mariniert (Spoiler: viel heißer als alles andere, weil direkte Sonne und heißer Sand) und durch überhitzte Städte flaniert. Aber durch die trockene Luft und den frischen Wind schwitzt man kaum, bzw. kühlt wieder ab. Sobald die Deutschen dann wieder zuhause sind, setzt eine unerklärliche Demenz ein: Sie vergessen alles, schließen sich in ihre Schimmelbuden ein und schmoren im eigenen Saft. Es werden feuchte Tücher auf Ventilatoren gelegt, damit es noch schwüler wird und der Tod noch schneller anklopft.
Im Süden ist viel Wind und ein offenes Fenster Standard und für Deutsche eigentlich auch, wenn sie im Urlaub sind, denn am Traumstrand weht immer eine steife Brise. Es scheint so eine Art länderabhängige Volkskrankheit zu geben, denn in Deutschland zurück leiden sie dann wieder unerklärlich am eigentlich erlösenden, doch so tödlichen "Durchzug". Die Deutschen verrotten lieber im eigenen Saft schmorend in ihren Schimmelbuden. Es sei somit ein für alle mal empfohlen: Die Luftfeuchte muss raus aus der Bude. Es kann ruhig warm sein, aber es darf nicht noch zusätzlich feucht (schwül) sein, denn dann wird es unerträglich und die natürliche Kühlfähigkeit des Körpers ist reduziert. Offene Fenster sorgen zudem dafür, dass ein Luftzug durch die Räume wirbeln kann. Die dadurch am Körper stattfindende Verdunstung wirkt kühlend und abtrocknend - eine Wohltat. Ein zusätzlich installierter Ventilator kann diesen Effekt noch verstärken. Aber bitte legen Sie bloß keine feuchten Tücher auf den Ventilator oder vor die Fenster, das wäre dumm. Dass es dennoch so viele Menschen machen, sagt viel über unsere Gesellschaft aus. Machen Sie nicht diesen Fehler, gehören Sie zu den Schlauen. Schlau lebt länger und hat mehr Spaß am Leben.
Falls Sie keine Angst haben, Ihre Wohnung zu verlassen und der bösen Wärme ins Gesicht zu blicken, so sei Ihnen gesagt, dass da draußen wahre Wunder auf Sie warten. Sie könnten im Schatten spazieren gehen. Es wird genau so warm sein, wie in Ihrer Wohnung, aber es wird weniger Luftfeuchte haben als drinnen, weil in der Natur kein 37 °C warmes, lebendes Wesen ständig feuchte Atemluft in einen geschlossenen Raum bläst. Wenn Sie richtig Glück haben, ist es draußen sogar kühler als drinnen. Aber das mit der guten Luft draußen, das gilt außer an gewittrig-regnerischen Tagen immer, denn Ihre Wohnung ist ein Luftgefängnis, wenn Sie nicht durchlüften und den deutschen Endboss "Durchzug" hineinlassen. Der "Fahrtwind" beim Spazieren wird Sie zudem runterkühlen und abtrocknen wie ein glückliches Baby. Aber Vorsicht: Laufen Sie nicht zu schnell, nicht, dass Sie noch erfrieren. Ok, Spaß.
Bonuspunkte gibt es für Großstädter, wenn sie nicht nur im Schatten spazieren gehen, sondern gezielt Wärmequellen wie Straßen und aufgeheizte Mauern vermeiden und Parks und Grünanlagen ansteuern. Messungen haben gezeigt, dass solche Gebiete 5-10 °C kühler sein können als die aufgeheizte Umgebung. Zudem geben solche Oberflächen direkt Wärmestrahlung ab. Was im Winter und mit modernen Heizungen gewünscht ist, wird hier zur Belastung, weil man sich davor nur durch genug Abstand schützen kann.
Zusammenfassung & weitere Tipps, was gegen Schwitzen im Sommer wirklich hilft:
- Ventilator in die Nähe stellen -> selber Effekt wie Luftzug, nur stärker
- Bude abdunkeln, direkte Sonneneinstrahlung durch Fenster reduzieren
- Wärmequellen (Computer, TV etc.) reduzieren
- Keine extrem kalten Getränke trinken -> Körper muss zusätzlich aufwärmen
- Klamotten vom Leib reißen oder sehr luftige Kleidung, Kunsttextilien vermeiden und auf Naturfasern setzen
- Nichts Scharfes essen, eher leichte Kost
Dinge, die definitiv zum Schwületod oder einem unzufriedenem, verkürzten Schwitzer-Leben führen:
- Feuchte Tücher an Ventilator, vor Fenster oder im Raum aufhängen -> erhöht nur die Schwüle, Kühleffekt bringt nichts
- Geschlossene Fenster, damit die Wärme nicht hereinkommt -> sorgt dafür, dass die Luftfeuchte nicht raus kann und Sie wie ein Fisch in der Dose sitzen, wärmer wird es da drin dennoch
- Mehr anziehen, weil Zwiebelprinzip hilft ja immer -> Es muss Luft an den Körper. Ideal ist luftige, helle Kleidung
Wenn all das nicht hilft: Ab zum Arzt, möglicherweise hat es noch andere Ursachen.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie gut durch den Sommer kommen und Sie fortan zum Teil unserer Gesellschaft gehören, der keine Angst mehr vor Durchzug hat.
Meteorologische Grüße.