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  5. Januar starke Gewitter in Europa und eventuell nach dem Sturm nächste Woche Donnerstag ein mini Hurricane

Januar starke Gewitter in Europa und eventuell nach dem Sturm nächste Woche Donnerstag ein mini Hurricane

SophieW schrieb vor 26 Tagen:

Halloo liebe Community,

ich habe heute ein paar interessante Beobachtungen gemacht, die ich gerne mit euch Teilen und analysieren möchte.

Nun heute am 07.01.2023 trifft ein Sturm ganz Europa und gleitet über Italien nach Griechenland und am Dienstag trifft die Wolke die Türkei, dann anschließend am Mittwoch auch Zypern.
Das interessante fängt ab hier an..
Als die erste ´´Welle`` Wolke die Türkei erreicht, erreicht die zweite Welle Spanien, Frankreich, Deutschland usw. und gleitet auch über fast ganz Europa.
Nun es könnte sein das paar Küsten Länder schwäre Unwetterschäden bekommen könnten... hoffentlich kann man sie früh genug warnen. Könnte auch sein das es nichts verherendes ist... müsste man weiter beobachten..
Was mich interessiert ist was nach Donnerstag unterhalb von Kreta/Griechenland sich aufbraut, ein kleiner Medicane meiner Beobachtungen nach.
Es sollte laut heute am Freitag nächste Woche sich zu einer ´´Medicane`` vollständig geformt haben und zwischen Greta und Zypern nach Ägypten steuern und auch schon getroffen haben... also falls es verherend wird.
Ich kenne mich mit Mittelmeer Hurricanes nicht aus, dachte auch nicht das es möglich wäre.. aber anscheinend gab es schon Medicanes/Hurricanes im Mittelmeer.

So meine Frage, könnt ihr das auch sehen oder habe ich was falsch analysiert? :D
Freue mich über euer Wissen und wenn ich eventuell euch auf was Aufmerksam gemacht habe... wie kann man eine Meldung raus geben, so das der Staat alle warnen könnte in den betroffenen Ländern?

Ich bin zufällig darauf gestoßen auf der Internet Seite ´´Wetter Radar Live.com`` weil neulich in Amerika ein Sturm war und ich schauen wollte was die Nachwirkungen in Europa mit sich bringen...dann musste ich eine Seite finden oder eher eine kleine Storm Hunter Europe Community, die sich mit diesen Themen auskennt, wie dieser.
Den Ian Hurricane habe ich mit diesem LiveRadar Webseite von Anfang bis Ende beobachtet. Ich interessiere mich seid Jahren für Unwetter und Naturkathastrophen und möchte meine Mitmenschen auch richtig warnen können. Grad meine Familie auf Zypern.

Ich habe diese Seite heute entdeckt und bin echt froh drüber das es sowas in Europa gibt.. war schwierig eine Seite zufinden, bezüglich diese Themen. StormHunters allgemein ist mir nicht in Europa bekannt oder eine frühe Wetter warnung.

Ich bedanke mich schonmal für eure ehrliche Meinungen auch wenn ich falsch getippt habe, freue ich mich über eure Beobachtungen.
(Entschuldige meine Rechtschreibung :)
Liebe Grüße Sophie

Guido RichterTeamStormchaser schrieb vor 26 Tagen (bearbeitet vor 26 Tagen):

Hallo Sophie und erst einmal herzlich willkommen hier in der Community!

Wir beschäftigen uns hier überwiegend mit lokalen Unwettern und Stormchasing. Großräumige Wetterphänomene sind zwar auch interessant - zumal sie ja das lokale Wetter vorgeben - allerdings ist das Thema globales Wetter / Klima etwas weiter entfernt von unserem Hauptthema. Dennoch ist es natürlich immer wieder spannend, über den Tellerrand zu schauen.

Mit dem Thema "Medicane" ( "Mediterranean hurricane" ) öffnest du quasi die Büchse der Pandora. Die Forschung beschäftigt sich überhaupt erst seit relativ jüngster Vergangenheit mit diesem Thema - erstmals etwa 1980, als Satellitenbilder ein Thema wurden. Über die Details zur Definition von Medicanes wird immer noch jedes Jahr lebhaft diskutiert.

Wichtig zu wissen ist, dass ein Medicane nicht die Eigenschaften von Hurrikanen teilt. Es handelt sich um ein Grenzphänomen, bei dem tropische Luftmassen und warmes Wasser mit kalten (z.B. polaren) Luftmassen zusammenstoßen und sich ausgeprägte Tiefdrucksysteme entwickeln können. Die Optik kann auf Satellitenbildern dabei durchaus denen der "echten" Hurricanes ähneln, allerdings werden bei Medicanes die spiralförmigen Wolkenbänder von außen angetrieben. Auch ist der Tiefdruckkern nicht selbsterhaltend und höhenwarm, sondern ähnelt eher normalen Sturmsystemen, wie man sie außerhalb der tropischen Zone kennt - also höhenkalt und nicht selbststabilisierend. Die Spiralbänder sind meist mit starken Gewittern und Windeffekten besetzt, während der Kern nicht sonderlich aktiv ist. Bei Hurrikanen ist das anders - hier bildet der Kern ein Auge aus und dort treten die höchsten Windgeschwindigkeiten auf.

Nun ist es aus meiner Sicht echt schwer, einen Medicane sicher vorherzusagen. Theoretisch könnte sich jedes formidable Tiefdruckgebiet auf dem Mittelmehr zu einem Medicane entwickeln, wenn die Bedingungen stimmen. Die Charakteristiken lassen sich dann anhand der Messwerte und mit Satellitenbildern einordnen. Ob das von dir genannte Tiefdruckgebiet ein Medicane wird - also z.B. einen wolkenfreien Kern und Spiralbänder ausbildet - kann meiner Auffassung nach Stand heute nicht sicher vorhergesagt werden. Es ist generell noch etwas weit hin, um eine präzise Prognose für nächste Woche abzugeben.

Es gibt durchaus Medicanes, die im Januar aufgetreten sind. Sogar gehäuft im Januar, vermutlich weil wir hier bereits wieder zunehmende Sonneneinstrahlung mit meist fest verankertem Frost in Kontinentaleuropa haben - also zunehmend starke Differenzen. Dazu das meist noch warme Mittelmeer. Ähnliche Phänomene sehen wir ja auch beim Thema Wasserhosen (Tornado über Wasser, überwiegend Typ-II), z.B. warme Ost- & Nordsee + kalte Landmasse in Deutschland. Nun sind 20°C Wassertemperatur (Siehe Karte der aktuellen Wassertemperaturen in Europa (DWD)) nicht viel für das Mittelmeer, da sind deutlich höhere Werte üblich und im Rahmen von Medicanes auch immer wieder aufgefallen. Man darf aber nicht ignorieren, dass 20°C quasi Badetemperatur ist und es massive Temperaturdifferenzen gibt, wenn z.B. im türkischen Festland Frost herrscht. Wir sprechen hier von Temperaturdifferenzen von bis zu 30 Kelvin - oder anders gesagt der Unterschied zwischen Frühsommer und Dauerfrost.

Das geplante Tief ist also durchaus interessant. Medicane hin oder her. Windtechnisch sehe ich aktuell gar keine so schlimmen Prognosewerte. Allerdings sind bis zu 200mm Niederschlag an der südtürkischen Küste sicherlich ausreichend für Überschwemmungen und Erdrutsche - in den Bergen Schneechaos. Die warme, feuchte Luftmasse, die sich über dem Mittelmeer befindet, wird quasi gegen die Südtürkei gedrückt und dort mit kalter Luft sowie Gebirge konfrontiert - also regelrecht schwammartig ausgequetscht.

Für länderübergreifende Warnungen gibt es entsprechende Einrichtungen, die mal funktionieren, mal nicht. Zuletzt haben sie bei den Überschwemmungen im Ahrtal mal wieder grandios versagt - zumindest auf deutscher Seite. Im Ausland wusste man sehr genau, was uns bevorsteht und es wurde darauf hingewiesen. Inwiefern das alles gut zusammen funktioniert liegt also maßgeblich daran, wie und wo die Bevölkerung Wetterinformationen abruft, wie gut nationale Dienste arbeiten und inwiefern Behörden und Institutionen in übergreifende Prozesse eingebunden sind und darauf angemessen reagieren. Für die Türkei liegen mir hier keine Informationen vor, zumal diese ja bewusst Distanz zu Europa wahren. Schätzungsweise - und gemessen an früheren Ereignissen - wird man in der Türkei, besonders in ländlichen Gegenden, nicht sonderlich professionell auf drohende Unwetter vorbereitet sein.

Auf unserer Karte haben wir zwar kein Radar für das östliche Mittelmeer, aber in der Blitzortung wird etwas zu sehen sein. ► Zur Livekarte für Türkei+Umgebung (Unter "Daten" die Blitze aktivieren)

SophieW schrieb vor 25 Tagen:

Vielen lieben Dank für diese außführliche Zusammenfassung. Also das motiviert mich mehr über unser Wetter zu lernen!
Durch deine Antwort habe ich mehr lernen können als auf irgend eine Webseite :D


Wie sieht es mit Tornados aus, versuche noch herauszufinden wie man die entdeckt aber bisher noch nicht richtig verstanden, aber mit der Zeit wird das kein Problem. Man lernt nie aus.

In Amerika werden die Tornados förmlich gejagt. Viele wissen garnicht das sowas in Europa passiert.
Tornados gibt es in Europa auch Jährlich einmal minimum.

Hier Story Time von meinen Erlebnissen dadazu:
2021 F4 Tornado in Tschechien.. da war ich im Zelt nähe Pilsen.
In der Nacht hat es sehr heftig gestürmt und bin nach meinem Hund suchen gegangen..weil er Angst hat wenns heftig stürmt und das war nicht normal. Ich kann einfach nicht schlafen mit dem Gedanken das er irgendwo alleine den Sturm bewacht voller Angst.
Hirtenhund auf einer Schafsweide mit Campern.
(zum Glück war er im Zelt einer Freundin:D)
Bin aufgestanden ihn suchen und bin über die Schafsweiden gelaufen zur Gemeinschaftsküchenwaggon. Auf dem Weg dahin....so ein Wetterbild hatte ich noch nie gesehen/erlebt gehabt. Es war sehr Athemberaubend und immer wieder so hell geworden durch die Blitze... einfach unglaublich, war ein sehr mächtiges Gefühl. So das ich alle Camping-sachen und auch die von den anderen Campern in Sicherheit gebracht hatte.
Es erinnerte mich bisschen an Rumänien 2019. Deswegen bin ich eine Weile wach geblieben um zu beobachten ob sich das Wetter noch verschlechtert und zum Glück wurde es nach einer Stunde ruhiger und bin dann schlafen.
Ich wusste nichts über diesen Tornado bis ein Camper es uns am nächsten morgen erzählt hatte. Wir waren mega schockiert und ab da nahm ich die Tornados ernster und Wolken, wie auch ´´nur ein Sturm`` anders zu sehen.
Nun in Rumänien 2019, herrschte auch einer und war in der nähe im Tourismus tätig.
In Tschechien war es an unserem Standort weiter weg als der in Rumänien. Auch nicht so windig und nicht so extrem.
In Rumänien hingegen...da war ich mehrere 50 km weiter weg im Auto und auch mitten in einem Sturm... mussten Stehen bleiben weil die Scheibenwischer keinen nutzen mehr hatten und die Blitze um uns herum einschlugen und auch Hagelkörner einpraselten. Das war an einem warmen Tag... Wir konnten nichts sehen bis 15 min Gefühlt ungefähr vergingen und der ganze Sturm sich aufgelöst hatte.
Es gibt keine Aufzeichnung über die stärke, von der in Rumänien. Meiner Meinung nach war er gefühlt stärker aber zum Glück hatte er nicht sehr lange Boden Kontakt.

Bin sehr viel in Europa unterwegs und sehe Europa als ein Land.
Deswegen versuche ich dieses ´´Land`` so gut es geht in Augen zu behalten und eventuell auch vor Ort helfen zu können.
Gerade wenn man sich damit befasst, früh sowas erkennen zu können.
Torndos sind bisschen schwerer aber doch erkennbar wenn man in der Nähe ist.
Bisher sind die letzten zwischen April und August entstanden. Trotzdem man weiß das Wetter macht was es will und dazu unser Wetter spinnt seid mehreren Jahren.. wie man es auch in den Medien mitbekommt.
Natürlich gab es in Europa nicht viele schlimme Naturkathastrophen, dennoch halte ich gerne die Augen offen.
Unglaublich wie die US-Staaten und die neben Länder gemeinsam arbeiten bei einem Hurrikane und bei Tornados, so eine Zusammenarbeit ist sehr Herz erwärmend.. und auch Youtube Stormhunters from US, Hut ab an die.

Es ist sehr interessant das viele verschiedene Faktoren mitspielen müssen damit sowas entsteht, auch auf unterschiedlichen Terrain uvm.

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